21.1.08

gute aussichten



so der titel der ausstellung mit abschlusswerken junger fotografen deutscher kunsthochschulen, derzeit zu sehen im haus der photografie in den deichtorhallen in hamburg.
ich war am sonntag nach der eröffnung dort, zwei faktoren, die garantieren, dass man nicht ungestört durch die räumlichkeiten wandern kann.
doch störte mich das kindergeschrei diesmal weniger als sonst, was tatsächlich an der ungeheuren ausstrahlung und wirkung der photografien lag.
der anspruch andrej krementschouks, das lebensgefühl seiner russischen heimat mit der photoreihe 'an deinem haus' begreifbar zu machen ist vollends gelungen. die öde landschaft im kontrast zu interessanten gesichtern zeigt eine überraschende nähe und ungeahnte liebenswürdigkeit des dörflichen lebens. jörg obernolte, der ein ähnliches thema bearbeitet hat, kommt reisserischer daher. mit blutroter farbe und einem leopardenbaldachin, in dem teutonesker kitsch versammelt ist, versucht er sich an 'vater land und mutter erde' heranzutasten. das tatsächlich 'schrei lauter, munch' in das krasse rot gekratzt ist, hinterlässt bei mir einen schalen beigeschmack von oberflächlichem wissen. bäh. ein genauso schaler geschmack bleibt leider auch nach dem betrachten der arbeiten von margret hoppe zurück. diese hat eigentlich ein wunderbares, spannendes thema gewählt, nämlich 'den spuren von kunst in der ehemaligen ddr nachzugehen'. sie suchte orte auf, an denen früher gemälde hingen, die beispielsweise die arbeiterklasse verherrlichten und die nun verschämt in folie gepackt dort verloren in der gegend stehen. leider mag das thema noch so interessant sein, die photos die dabei herauskamen, sind, für meinen geschmack, einfach nur öde. zurück bleibt die ungestillte neugier darauf, wie die bilder wohl aussahen, die an den kahlen wänden ihren platz hatten. zwei weitere highlights für mich waren die serien 'kosmos' von agata madejska und 'gretchen' von caterina miksch. madejska fotografierte einsame spielgeräte aus metall in der ersten dämmerung, und was sich unspektakulär anhört, sieht tatsächlich aus wie bizarre raumschiffe mit überraschungseffekt: hier handelt es sich um das alltägliche, in nicht-alltäglichem licht besehen (siehe bilder). wunderschön. miksch hingegen befriedigt meine voyeuristische seite: die neugier auf das grauen. sie zeigt orte, an denen kurz nach der geburt getötete babyleichen aufgefunden wurden: einsame waldstücke, mülltonnen und die unvermeidlichen tiefkühltruhen in vertraut spießiger umgebung. ein wohliger schauer läuft über meinen rücken. ein gelunger abschluss dieser ausstellung. unbedingt ansehen!
(Fotos entnommen von: http://www.marianne-brandt-wettbewerb.de/2007/preisdeutsch.html)